Datum: 16.03.2017 - Interview

Katharina Bauer: „Verletzung hätte auch mein Karriereende sein können“

Stabhochspringerin Katharina Bauer verletzte sich 2016 bei einem Unfall an der Hand. Im Interview spricht die mehrfache EM-Teilnehmerin über die Schwere der Verletzung, die Zeit nach der Operation und über ihre kurz- und langfristigen Ziele.

Katharina Bauer: „Verletzung hätte auch mein Karriereende sein können“

Katharina, du hast dich letztes Jahr schwer an der Hand verletzt. Es folgte eine OP und eine lange Rehazeit. Wie geht es der Hand heute? Kannst du sie im Training schon wieder voll belasten?

Die OP ist erfolgreich verlaufen und ich hatte wirklich großes Glück mit dem Chirurgen. Dr. Wüst hat mich im St. Agatha Krankenhaus Köln/ Nippes grandios operiert. Die Verletzung war so schwerwiegend, dass sie auch mein Karriereende bedeuten hätte können. Das wichtigste Band in der Hand war gerissen. Wäre das nicht optimal zusammen gewachsen, hätte ich die Hand nie wieder voll belasten können. Durch die tolle Arbeit der Ärzte kann ich die Hand aber jetzt fast ohne Einschränkungen belasten. Springen kann ich bereits und bereite mich auf den Sommer vor.

Der Unfall ist dir ausgerechnet im olympischen Jahr passiert. Mit 26 Jahren hast du aber noch einige Jahre Leistungssport vor dir. Sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020 schon in deinem Kopf?

Ja, das Olympia-Aus war sehr hart. Aber inzwischen schaue ich optimistisch nach vorne und Tokio ist natürlich eines meiner ganz großen Ziele.

Weißt du, wann du dein Comeback feiern kannst? Sind schon erste Wettkämpfe geplant?

Mein Comeback ist noch mit keinem konkreten Datum geplant. Wir warten die nächsten Wochen noch ab, dann sollte sich so langsam zeigen, wann ich wieder einen Wettkampf machen kann. Der Sommer ist aber schon das Ziel.

Mit welchen Erwartungen startest du in die Freiluftsaison 2017?

Für mich ist es natürlich erst einmal wichtig, wieder gesund springen zu können. Die Höhe ist da in den ersten Wettkämpfen noch zweitrangig. Aber ich fühle mich fit und gut, deshalb ist es im Laufe der Saison schon ein Ziel, wieder an meine alten Leistungen anzuknüpfen. Ich gehe die Aufgaben locker und ohne Druck an. Wenn aber alles nach Plan läuft, sind die WM in London [Großbritannien) und die Universiade in Taipeh [China] schon in meinem Hinterkopf und ich denke auch im Bereich des Möglichen.

Du hast dein Studium mit der Bachelorarbeit erfolgreich abgeschlossen. Konzentrierst du dich ab jetzt zu 100% auf den Sport, oder gehst du weiterhin den Weg der dualen Karriere?

Ich bin sehr froh, dass ich mein Studium des internationalen Managements erfolgreich beenden konnte und die Bachelorarbeit mit einer 1,3 absolviert habe. Ich will mich zunächst ausschließlich um den Sport kümmern, da ich lange Zeit aus dem Geschäft war. Dann sehe ich weiter, was beruflich auf mich zu kommt.

Weißt du schon, in welchem Bereich du später mit deinem Abschluss tätig sein möchtest?

Das lasse ich im Moment noch auf mich zukommen und bin mir auch noch nicht ganz sicher, was genau ich machen möchte. Schön wäre aber eine leitende Position im Marketingbereich.

Gerade ist die Zeit der Trainingslager. Steht auch für dich eins auf dem Plan?

Ja, ich fliege für 16 Tage mit meiner Trainingsgruppe nach Südafrika. Das müsste inzwischen mein siebtes oder achtes Trainingslager in Stellenbosch sein. Es ist einfach optimal dort. Die Trainingsbedingungen, das Wetter sind immer gut. Wenn man den Trainingsplan bei Wärme durchziehen kann, ist man noch fitter wenn man zurück in die Heimat fliegt. Außerdem kann man bei der Kulisse abschalten und sich wirklich ausschließlich auf den Sport konzentrieren.

Du trainierst inzwischen seit etwas mehr als drei Jahren bei Leszek Klima. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm für dich aus?

Die Zusammenarbeit mit Leszek ist für mich etwas ganz besonderes und es war immer mein großer Traum, mit ihm als Trainer zu arbeiten. Er bewahrt Ruhe im Training und weiß genau, worauf es ankommt. Außerdem hat er die Fähigkeit, vielen Sportlern auf unterschiedliche Art und Weise einen optimalen Sprungablauf zu vermitteln.

Deine Bestleistung steht seit 2015 bei 4,65 Meter. Damals bist du die Höhe nach einer schwierigen Zeit mit Pfeifferschem Drüsenfieber gesprungen. Du hast also schon einige Rückschläge hinter dir. Hast du dir mal Gedanken gemacht, wie hoch es für dich hinaus gehen kann, wenn du fit und gesund bist?

Ja, das habe ich in der Tat und ich habe ganz klare Höhenziele. Aber die möchte ich nur mit meinem Trainer teilen. An erster Stelle steht im Moment eh nur, dass ich gesund bleibe und mit Spaß springen kann.

Von: Mareike Brischke

Relevante Athleten

Katharina Bauer

Seit dem 01. Januar 2014 geht Katharina Bauer im roten Bayerdress an den Start und feierte bereits im ersten Wettkampf (4,40 Meter) einen erfolgreichen Einstieg. Die Achte der Hallen-EM 2013 arbeitet gemeinsam mit Leszek Klima an weiteren Höhenflügen

Disziplin: Stabhochsprung
Trainer:
Bestleistung: Halle: 4,60m (2015)
Freiluft: 4,65m (2015)
Zum Profil von Katharina Bauer

Relevante Artikel

17.04.2017 - Interview

Caroline Klein: „Ich bin fit und schmerzfrei“

Wie sich eine lange Leidenszeit anfühlt, weiß Siebenkämpferin Caroline Klein sehr genau. In den Genuss großer Erfolge möchte sie 2017 kommen. Die 21-Jährige beendete ihr Trainingslager erfolgreich und erzählt im Interview unter anderem von ihrem Ziel für die anstehende Sommersaison.

Mehr lesen
26.03.2017 - Interview

Robert Polkowski: „Seit 2013 nicht mehr durchtrainiert“

2013 wurde Robert Polkowski über 100 Meter Dritter der U20-EM. Mit der DLV-Staffel holte er sogar Silber. Doch seitdem musste der 22-Jährige immer wieder Rückschläge verkraften. So im Juni letzten Jahres, als im Training das Syndesmose-Band riss und Hoffnungen zerstörte, bei Europameisterschaft und Olympia zum Einsatz zu kommen. Im Interview spricht Robert Polkowski unter anderem über die Motivation weiterzumachen, den Stellenwert von Nationalmannschafts-Berufungen und den Wechsel vom LT DSHS Köln zum TSV Bayer 04 Leverkusen.

Mehr lesen
Alle Neuigkeiten lesen